Ob Subventionsbetrug oder EU-Corona-Hilfen, die Pandemie ist zwar bewältigt, dennoch beschäftigt sie immer noch viele politisch Verantwortliche. Es geht darum, was aus der grassierenden Krankheit, den unkontrollierten Ansteckungen und den vielfachen Lockdowns gelernt wurde? Die Gesellschaft will dieses Thema endlich geregelt wissen, keine Einschränkungen mehr erleben und vor allem einem Staat vertrauen, der präventive Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung etabliert und nicht im Falle einer neuen Infektionswelle in totale Hektik verfällt. So stellt sich auch zum Jahresanfang 2024 die Frage: Wie ist das Gesundheitssystem heute aufgestellt, welche Lernkurve hat man die letzten Jahre wirklich durchgemacht und was wurde umgesetzt? Private Investoren haben das Thema längst für sich entdeckt und suchen nach innovativen Unternehmen, die Infektionen verhindern und Krankheiten effektiv bekämpfen. Das übergeordnete Ziel der Prävention und der geeignetsten Maßnahmen kann über Biotechnologie, Medizinprodukte oder Nanotechnologie erreicht werden. Wir präsentieren Ideen für einen wachstumsstarken Sektor.

MorphoSys – Ist der Turnaround nun vollzogen?

Das kann in einem Desaster enden. Zum Jahresende macht der Kurs der Münchener Biotech-Spezialisten MorphoSys (XETRA: MOR, WKN: 663200, ISIN: DE0006632003) einen Riesensprung. Vermutlich haben Shorties „noteingedeckt“ um die horrenden Verluste zu begrenzen. So turbulent wie in 2023 hat sich der Krebsforscher aus München selten gezeigt. Ein regelrechter Ausverkauf folgte der Präsentation der ersten Studienergebnisse zu Pelabresib und kritischen Kommentare von Analysten gab es zu Hauf. Der Kurs markierte mit 14,50 EUR ein Jahrestief, weil Experten die Wirkungsweise des neuen Medikaments gegen die Myelofibrose-Symptome frühzeitig abmoderierten. Zudem gesellten sich Zweifel, ob die Zulassung überhaupt kommen wird. Zuvor hatte man das neue Medikament bereits als neuen Blockbuster gehandelt, diese Phantasie hatte sich erst einmal erledigt.

Doch dann drehte sich der Markt wieder schnell. Die Argumente der Befürworter erlangten überhand und die Aktie startete ihren 120%-Anstieg bis zum Jahresende. Bravo! Die Umsätze schnellten nach oben und katapultierten die Marktkapitalisierung wieder auf erstaunliche 1,22 Mrd. EUR. Die Präsentation der Phase-3-Studiendaten zu Pelabresib auf der amerikanischen ASH-Jahrestagung hatte offenbar doch gefruchtet. Denn es zeigten sich in der Kombinations-Therapie mit dem bisherigen Standard-Wirkstoff Ruxolitinib erhebliche Verbesserungen bei allen vier Krankheitsmerkmalen der Myelofibrose. UBS und JPMorgan votierten positiv und rechnen nun mit steigenden Zulassungschancen. Deren Kursziele stehen derzeit noch bei 31 bzw. 47 EUR, weitere Aufstufungen von anderen Banken sind aber zu erwarten. Das Haar in der Suppe ist Goldman Sachs, hier bleibt es bei „Neutral“ mit Kursziel 17,50 EUR.

Die MorphoSys-Aktie hat die Korrekturzone 12 bis 15 EUR noch einmal bestätigt, nun richten sich die Augen auf den technischen Ausbruch bei 25 bis 27 EUR. Andauernde Eindeckungen und ein verbessertes mittelfristiges Bild verhalfen den Münchnern auch zu einer schnellen Kapitalerhöhung im Gegenwert von 100 Mio. EUR. Anleger haben nun die zukünftigen Milliarden-Umsätze im Fokus. Die Segel für 2024 sind also gesetzt, denn der technische Turnaround muss oberhalb der Marke von 31,50 EUR als vollzogen angesehen werden. Dennoch: Höchstspekulativ!

BioNTech – Entscheidung im Patentstreit mit CureVac vertagt

Auch bei der BioNTech-Aktie (XETRA: BNTX, WKN: A2PSR2, ISIN: US09075V1026) sieht es technisch nach einer gelungenen Wende aus. Die Mainzer befinden sichmit dem deutschen Konkurrenten CureVac N.V. (XETRA: CVAC, WKN: A2P71U, ISIN: NL0015436031) immer noch im langwierigen Patentstreit vor Gericht. Es geht um die frühen CureVac-Patente für Corona-Impfstoffe, welche vor dem Bundespatentgericht in München für nichtig erklärt wurden. Die Entscheidung wird nun Mitte 2024 erwartet. BioNTech ist sich siegessicher, für CureVac könnte es natürlich ein Gamechanger sein, wenn man nachträglich an den Comirnaty-Umsätzen beteiligt werden müsste.

Derweil startet BioNTech im afrikanischen Ruanda eine Produktion von Impfstoffen gegen verschiedene Infektionskrankheiten. Die Standortfaktoren sind für eine günstige Produktion hervorragend und Afrika profitiert vom direkten Zugang zu Impfstoffen. In der Pipeline von BioNTech befinden sich Vakzine gegen lebensbedrohliche Erkrankungen, wie Malaria oder Tuberkulose, die seit Jahren eine Belastung für die arme Bevölkerung darstellen. Sie sollen künftig günstig vor Ort hergestellt und weiterentwickelt werden.

Mit einer Kriegskasse von knapp 18 Mrd. EUR ist BioNTech bestens ausgestattet und kann mit seinen neuen Forschungsprogrammen munter weitermachen. Die Aktie ist derzeit nicht im Fokus, weil die Umsätze mit Corona-Impfstoffe immer weiter zurückgehen und die Entwicklung des Antikörper-Wirkstoff-Konjugat-Kandidaten NT323/DB-1303 zur Behandlung von Gebärmutterkrebs erst noch die behördlichen Schritte absolvieren muss. Immerhin hat die FDA dem Projekt vor Weihnachten noch den sogenannten „Breakthrough-Therapy-Status“ verliehen. Dieser Titel ermöglicht BioNTech und seinem chinesischen Entwicklungspartner DualityBio eine beschleunigte Entwicklung. Nach Abzug der Cashreserven beträgt der Firmenwert von BioNTech immer noch stolze 5 Mrd. EUR, der Kurs ist mit 95 EUR aber verführerisch tief.

Fend X Technologies – Die Vorbereitungen für den Markteintritt laufen

Es grassiert wieder in Europa. Zum Jahreswechsel leiden viele wieder an Husten, Schnupfen und Fieber und die Zahlen für Deutschland zeigen: Mehr als jeder Zehnte ist infiziert.Vor allem bei Grippe und RSV gibt es eine Zunahme der Ansteckungen. Atemwegsinfektionen werden durch unterschiedliche Krankheitserreger hervorgerufen, welche die Schleimhäute der Atemwege befallen. Meist sind Viren die Ursache, leider gibt es eine Vielzahl verschiedener respiratorische Viren. Dazu zählen zum Beispiel sogenannte „Erkältungsviren“ wie Rhinoviren oder auch das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV). Die Grippe wird durch Influenzaviren ausgelöst. Bei einer Virusinfektion kann die Schleimhaut der Atemwegsorgane so geschädigt werden, dass die Anfälligkeit für Bakterien erhöht ist. So kann sich beispielsweise aus einer einfachen Erkältung abhängig von der Art der Bakterien eine Nebenhöhlenentzündung, eine Bronchitis oder selten auch eine Lungenentzündung entwickeln.

Das Technologie-Unternehmen FendX Technologies (CSE: FNDX, WKN: A3D6WL, ISIN: CA3144601067) ist ein Experte in der Infektionsverhinderung. Die Forscher wollen nicht warten bis Behörden Alarm schlagen, denn die Prävention ist immer noch der beste Weg in den Anfängen zu reagieren und gewisse neuralgische Punkte aus dem Cluster möglicher Problemzonen zu entfernen. Was für die bekannten Folgen einer Pandemie gilt, sollten man auch für andere Infektionskrankheiten auf dem Radar haben. Menschen, die adhoc erkranken und für einige Tage aus dem Berufsalltag ausscheiden, sind bei einer Häufung eine große Belastung für das Gesundheitssystem.

Ziel von öffentlichen Gesundheitsorganisationen muss es also sein, Infektionen jeglicher Art zu verhindern. Gesucht werden probate Lösungen für den Kontakt vor Ort, denn gerade in der nasskalten Zeit muss den Erregern der Kampf angesagt werden. Wichtig erscheinen häufige Kontaktpunkte in öffentlichen Gebäuden, welche eine Vielzahl von Menschen betreffen. FendX Technologies hat mehrere Lösungen parat, um wirksam gegen Infektionen einzuschreiten. Hauptaugenmerk legen die Forscher auf sogenannte Kontaktflächen, die im täglichen Zusammenleben eine tragende Rolle spielen. Gemeint sind Handläufe, Griffe oder auch Tastaturen zur Türöffnung oder an Fahrkartenautomaten. Dafür hat FendX Nanobeschichtungen in Form von Folien mit Lotus-Effekt oder Spraylösungen entwickelt, welche einfach zu installieren sind und für die öffentliche Einrichtung auch keine Rieseninvestition darstellen. Mit beiden Methoden wird die Anhaftung verhindert und durch die antibakterielle Beschichtung das Erregerpotenzial verringert. Die neueste Errungenschaft widmet sich den Kathetern im Klinikeinsatz. Dort sorgt eine Schutzbeschichtung dafür, dass es weder zu Anhaftungen noch zu Verstopfungen oder zu gefährlichen bakteriellen Biofilmen kommt. Die Infektion im OP oder Krankenbett ist für Klinikbetreiber ein riesiges Verantwortungs-Problem, man steht hier in der kritischen Öffentlichkeit und muss Hygiene-Vorschriften nachweisen. In Europa erkranken täglich bis zu 80.000 Menschen an einer nosokomialen Infektion, die Mortalitätsrate liegt bei erschreckenden 2,5%. Das muss nicht sein, wenn das Bewusstsein für ein Schutzbedürfnis besteht.

FendX hat sich die weltweiten Exklusivlizenzen für die Technologie und das geistige Eigentum an den Film- und Sprühbeschichtungs-Nanotechnologie-Formulierungen gesichert. Die Prävention im Bereich von Kathetern ist nun ein wichtiger Fortschritt in der Pipeline des Unternehmens. Bereits in 2024 werden die ersten Produkte vertriebsreif sein. Der internationale Rollout wird in Kooperation mit starken Partnern durchgeführt, welche bereits ein Vertriebsnetz für Medizinprodukte vorweisen können und die Marktpräsenz schnell einrichten können. Aktuell wirbt das Unternehmen 500.000 CAD ein, um die weitere Entwicklung und die Vertriebskooperationen auf den Weg zu bringen. Die Aktualität der Produkte könnte derzeit nicht größer sein, noch können Investoren bei einer Gesamtbewertung von ca. 6,5 Mio. EUR zugreifen.

Pfizer versus Novo Nordisk – Von sehr günstig bis gut bezahlt

Der amerikanische Pharma-Riese Pfizer (NYSE: PFE, WKN: 852009, ISIN: US7170811035) hatte zur Coronazeit zusammen mit BioNTech Milliarden verdient. Danach stellte sich für die Anleger allerdings Ernüchterung ein. Da waren zum einen die einbrechenden Umsätze für die gemeinsamen Impfstoffe, sowie ein verhaltener Ausblick auf das Jahr 2024. Das Unternehmen peilt für das kommende Jahr einen unveränderten Erlös von 58,5 bis 61,5 Mrd. USD an, die Corona-Blockbuster Comirnaty und Paxlovid sollen rund 8 Mrd. USD beisteuern und die neueste Akquisition Seagen könnte rund 3 Mrd. USD an Umsätzen erreichen. Pfizer hatte die ehemalige Seattle Genetics vor kurzen für rund 43 Mrd. USD gekauft. Der Neuerwerb entwickelt Therapien zur Krebsbehandlung auf Basis monoklonaler Antikörper, welche zellabtötende Wirkstoffe direkt an Krebszellen abzugeben. Sie sollen die gesunden Zellen verschonen und dadurch die toxische Wirkung einer Chemotherapie verringern. Seagen stärkt Pfizers Kompetenz in der Onkologie, insbesondere im Bereich der Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, einem Schlüsselelement der zielgerichteten Krebstherapie. Begeistert war die Masse der Analysten trotzdem nicht, sie hatten im Schnitt mit einer Gesamterlös-Prognose von rund 62,9 Mrd. USD gerechnet. Nach einem steilen Abverkauf zeigt die Aktie fundamental nun interessante Bewertungsrelationen. Denn für das Jahr 2024e beträgt das KGV nur noch tiefe 12,5 und es werden on top ganze 5,9% ausgeschüttet. Auch der Chart rangiert mit nun 46% Jahresverlust im Bereich des Vierjahrestiefs von Anfang 2020. Turnaround-Spekulanten setzen auf die langfristigen Perspektiven und kaufen den Standardtitel jetzt beherzt zu.

Von der eher gut bezahlten Seite zeigt sich der dänische Insulin-Spezialist Novo Nordisk (XETRA: NONOF, WKN: A3EU6F, ISIN: DK0062498333). Der Weltmarktführer will seine Produktionskapazitäten dramatisch erweitern. Neben geplanten Milliarden-Investitionen in Frankreich, steht auch Irland auf dem Plan. Damit reagiert Novo Nordisk auf die dynamische Nachfrage nach seinen Diabetes- und Antipositas-Produkten Ozempic und Wegovy. Hierfür hat Europas wertvollstes börsengelistetes Unternehmen eine Vereinbarung mit dem Pharma-Unternehmen Alkermes getroffen. So soll für einen Gegenwert von 92,5 Mio. USD eine Produktions- und Entwicklungsanlage der Iren übernommen werden. Die beiden Gesellschaften erwarten den Abschluss der Transaktion für Mitte 2024. Novo Nordisk rechnet angesichts der massiven Erweiterungspläne mit einer anhaltend hohen Nachfrage nach seinen Medikamenten. Mit einem aktuellen KGV 2024e von 31,5 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 13 sollte der Wert dennoch ein wenig konsolidieren, bevor er ein fundamentaler Kauf wird.

FAZIT

Für Investoren im BioTech-Sektor war das Jahr 2023 in den meisten Fällen ein Desaster. Denn breite Indizes wie der NASDAQ100 oder der S&P500 kannten seit den Tiefstständen im Herbst nur eine Richtung – nach oben, einzelne BioTechs fielen dennoch wie ein Stein. Trotzdem konnte der maßgebliche Indikator Nasdaq Biotechnology Index (.NBI) einen sagenhaften Schlussspurt aufs Parkett legen. Unter dem Strich beträgt das Jahresplus nun knapp 7 %. Hohe Kapitalkosten erschwerten die Refinanzierung der forschenden Unternehmen, erst jetzt mit sinkenden Inflationsraten, lebt die Zinshoffnung wieder auf. BioNtech, Pfizer und CureVac liegen nahe ihren Tiefstständen, MorphoSys und Novo Nordisk sind eher in Feierlaune. FendX Technologies ist noch relativ neu an der Börse, verfügt aber über gute Patente und praktikable Lösungen im Infektionsschutz-Bereich. Die FNDX-Investorenbasis dürfte wegen des nahen Vertriebsstarts in 2024 ordentlich wachsen.

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Verfasst von Nils Glasmachers

Nils Glasmachers ist gelernter Kaufmann und seit dem Jahr 2003 an der Börse engagiert. Er verfolgt seit 2007 intensiv den Rohstoffsektor und hat sich seit dem kontinuierlich im Minensektor weitergebildet. Als Gründer startete er im Juni 2012 das Projekt Miningscout und ist heute als Herausgeber, Redakteur und Veranstaltungsorganisator für die hanseatic stock publishing UG aktiv.

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